Moritz Majce + Sandra Man

Choros VI

Raumchoreographie | Space Choreography | 2018
Choros VI im District Berlin, 28.-30.11.2018 | Choros VI at District Berlin, 28.-30.11.2018

»Ein Körper fällt immer. Er fällt immer mit der Schwerkraft. Ein Körper weiß. Die Körper wissen – sich zu sammeln. Auf einer Erde. Sie folgen der Schwerkraft. Sie kämpfen mit der Schwerkraft – sie arbeiten, sie bewegen sich, sie tanzen und sorgen sich – sie bringen sich in Ordnung – mit der Schwerkraft. Dieses Abenteuer ist CHOROS. CHOROS ist das Abenteuer einer Erinnerung und einer radikalen Begegnung mit der Zukunft – in einem Zug.« Elisabeth Schäfer (Philosophin)

Choros VI ist eine chorische Landschaft. Konstellationen verschiedener Elemente – Objekte, Videobilder, Sprache, Sound, Körperbewegungen – bilden eigenständige Kreise, die gleichzeitig laufen und miteinander interferieren. Die Besucher*innen bewegen sich frei im Raum, sie rezipieren aus von ihnen gewählten Perspektiven und verbinden die Elemente auf ihre je eigene Weise.

Auf insgesamt 16 im Raum zu Orten angeordneten Projektionsflächen »hängen« Videobilder – Landschaften, Porträts, chorische Formationen; auf sechs verschieden großen Trampolinen und einer hexagonalen Grasfläche finden Bewegungsskulpturen statt; über Kopfhörer taucht man in eine Welt aus lyrischem Ich und chorischem Mythos. Die Vielfalt der Medien adressiert die der Sinne, das Zusammenspiel aus Sehen, Hören, Fühlen, kinästhetischer Raum- und Körperwahrnehmung. Choros VI ist chorisch nicht nur als Thema, Form und Inhalt, sondern auch als Rezeption: Es gibt nie nur eines, nie Protagonistisches, sondern immer mehrere Elemente und vor allem deren Kontakte, Interferenzen und Bezüge untereinander. Von der Vielzahl der Videobilder über die Gruppenkörper der Performerinnen bis zu multiplen Ichs und der dritten Person Plural als Figuren der lyrischen und mythischen Texte – überall ist Choros VI mehr als eine/r/s. Als chorische Arbeit ist sie nicht additiv, nicht »das plus das plus das«, sondern »das zusammen mit dem und dem und der…«: die Beziehungen der Elemente untereinander ergeben keine lineare Reihe und keine Summe, kein Resultat und keine finale Interpretation. Sie sind ohne Ende.

“A body is always falling. Because of gravity. A body knows. Bodies know – where to gather. On earth. They follow gravity. They fight gravity – or they work, they move, they dance, they cure with gravity. This adventure is CHOROS. It is the adventure of a remembrance and radical facing of the future at once.” Elisabeth Schäfer (Philosopher)

Choros VI is a choric landscape. Constellations of various elements – objects, moving images, spoken words, sound, body movements – form discrete cycles running simultaneously and interfering with each other. Visitors move freely, they listen and watch from perspectives chosen by them and connect the elements in their own respctive ways.

All together 16 screens are arranged in spots and show moving images – landscapes, portraits, choric formations; moving sculpture take place on on six trampolines of various sizes and on a hexagonal grass area. On headphones spoken words create worlds of a poetic “I” and a choric myth. The plurality of media addresses all the senses by forming an interplay of watching, listening, sensing, kinaesthetic space and body perception. Choros VI is choric not only as topic, form and content but as well as how it is received: There is never only one, nowhere a protagonist, but there are always multiple elements and their contact points, relations and interferences. From the plurality of moving images and the group of performers to multiple “I”s and “they”s in the poetic and mythic texts there is multiplicity everywhere in Choros VI. Being a choric piece the elements don’t just add, it is not “this plus that plus this” but rather “this together with this and that and this one…”. The relations between the elements do not form a linear sequence and neither a sum, a result or a final interpretation. They are infinite.

Tanzforum Berlin
Choros VI | Videoaufnahme vom 28.11.2018, Tanzforum Berlin

Konstellationen und Elemente

I. 4-Kanal-Video-Installation aus 6 Sequenzen im Loop auf vier gegenüberstehenden Projektionsleinwänden

Teilung | 9 Min

Raumchoreographie, gefilmt 2014 im Haus der Berliner Festspiele aus 18 m Höhe. Soundtrack: Mika Vainio, Talvipäiva, Vanha Motelli [Mika Vainio, Konstellaatio]

Mit: Claudia Albrecht, Charlotte Saphire Alten, Christos Anastasopoulos, Betty Athanasiadou, Ioannis Avakoumidis, Wendeline Blazejewski, Christine Börsch-Supan, Charlotte Engelbert, Alexander Fend, Katharina Försch, Serena Gregorio, Nelly Hakkarainen, Eckhard Ischebeck, Ljudmila Kartoshkina, Olivia-Patrizia Kunze, Molly McDowell, Irene Pascual, Johanna Pollet, Juliette Rahon, Nadja Saleh, Gabi Schwab, Annika Stadler, Andreas Uehlein, Verena Wilhelm, Alexandra Zoe, Marie S. Zwinzscher

Narkosis | 5:55 Min

Raumchoreographie, gefilmt 2017 in den Uferstudios, Berlin. Vertont 2018 mit Auszügen aus Unter der Schädeldecke (2016), gesprochen von Katharina Meves und Frank Willens, ins Englische übersetzt von Anna Galt

Mit: Zoé Alibert, Irene Anglada Espadaler, Claire Bathgate-Petersen, Christine Börsch-Supan, João Cidade, Juan Corres Benito, Xenia Dwertmann, Philipp Enders, Charlie Fouchier, Maria Gorbunova, Katherine Gorsuch, Vanessa Gorsuch, Junko Iwahashi, Carolin Kipka, Valérie Kommer, Leyton Lachman, Nicole Michalla, Alba de Miguel, Susi Rosenbohm, Sylvana Seddig, Sami Similä, Young-Won Song, Maria Torrents, Sinja Völl, TingAn Ying, Flavia Zaganelli, Marie Zechiel

White Space | 5:21 Min

Raumchoreographie, gefilmt 2017 in einer Installation in der Kunstfabrik am Flutgraben, Berlin. Vertont 2018 mit Nichts außer mir (2016), gesprochen von Katharina Meves und Frank Willens, ins Englische übersetzt von Anna Galt

Mit: Charlie Fouchier

Koroška | 5:29 Min

Chorographie (Erderkundung mit den Mitteln des eigenen Körpers), gefilmt 2017 in den Hohen Tauern und der Kreuzeckgruppe in Kärnten, Österreich; vertont 2018 mit Auszügen aus Ich gehe am Morgen los (2017), gesprochen von Katharina Meves und Frank Willens, ins Englische übersetzt von Anna Galt

Mit: Christine Börsch-Supan

Lightning | 9:00 Min

gefilmt 2018 in Obervellach, Österreich

Reigenkees | 6:29 Min

Osmographie (Erdbeschreibung mit der Bewegung des eigenen Körpers und der an ihm angebrachten Kamera), gefilmt 2018 in den Hohen Tauern und der Kreuzeckgruppe in Kärnten, Österreich; vertont mit Auszügen aus Halbnaturen (2018), gesprochen von Katharina Meves und Frank Willens, ins Englische übersetzt von Anna Galt

Chiaroscuro I + II | 2:18 Min

Gefilmt 2017 in den Uferstudios, Berlin. Soundtrack: Morton Feldman, Rothko Chapel #2 [UC Berkeley Chamber Chorus, Philip Brett, Director / David Abel, Viola / Karen Rosenak, Celeste / William Winant, Percussion]

Mit: Charlie Fouchier / Juan Corres Benito, Philipp Enders, Katherine Gorsuch, Vanessa Gorsuch, Valérie Kommer, Leyton Lachman, Susi Rosenbohm, Sylvana Seddig, Young-Won Song, Flavia Zaganelli, Marie Zechiel

II. Bewegungsskulpturen

Reigen

Hexagon aus Holzrahmen, gefüllt mit Rollrasen, darauf Score mit 6 Personen, Verlauf von Erdung bis Kreisel (2018)

Mit: Zoé Alibert, Tamar Grosz, Friederike Heine, Julia B. Laperrière, Sonia Noya, Laura Siegmund

Ursprung

6 Trampoline unterschiedlicher Größe, 24 Leuchtstoffröhren, pro Trampolin eine Performerin, Score mit Schwerpunkt auf Synchronizität, und Rebounce, Fallen. (2018)

Mit: Zoé Alibert, Tamar Grosz, Friederike Heine, Julia B. Laperrière, Sonia Noya, Laura Siegmund

III. Porträts und Landschaften

Space Walkers

Multi-Kanal-Video-Installation; 6 Videos, jeweils 25 Min, abgespielt im Loop, installiert in einem Kreis aus 6 TV-Screens, davor 6 Canvas Chairs, auf einer Plattform (2018)

Die Bewegungen in den Videos sind Chorographien, nach dem alten Wort vor Erfindung der Wissenschaft der Geographie und seiner Bedeutung einer Erfahrung und Erkundung von Landschaft mit den Mitteln und nach den Maßen des eigenen Körpers (und nicht einer rationalisierten Vermessung mit vorgeformten äußerlichen Maßeinheiten). Die sechs Performerinnen machen sich an chorographische Gänge, ergehen die verschiedenen Bodenbeschaffenheiten und die Bezüge untereinander. Die Videos wurden im Sommer 2018 am Bergheider See in der Niederlausitz gedreht, im ehemaligen Kohleabbaugebiet, mittlerweile als Lausitzer Seenkette Teil eines der größten Renaturalisierungs- bzw. Terraformingpojektes Europas. Der See ist ein von 2001 bis 2014 geflutetes Restloch. Am Nordufer befindet sich die außer Betrieb gesetzte Abraumförderbrücke F60. Die anderen Ufer des Sees stehen unter Naturschutz.

Mit: Zoé Alibert, Tamar Grosz, Friederike Heine, Julia B. Laperrière, Sonia Noya, Laura Siegmund

Trieb

6 Videos, 6 Kopfhörer, 2 Stimmen, Deutscher Text: 43 Min, Englischer Text: 57 Min. Videos gedreht 2018 in der Kunstfabrik am Flutgraben, Berlin; vertont 2018 mit dem Text Trieb (2018), gesprochen von Katharina Meves (DE) und Sergiu Matis (EN), ins Englische übersetzt von Anna Galt.

Soundtrack deutsche Version: Olivier Messiaen, Livre d’orgue: 4. Chants d’oiseaux; Messe de la Pentecôte: 4. Communion (Les oiseaux et les sources) [Olivier Latry, Messiaen: Organ Works] | Patrick Pulsinger, Pamelia Kurstin, Hilary Jeffery & Rozemarie Heggen: Metaphysical Space; Being In-Between; Timeless Floating Machine; Repeat Same Chord in Different Ways [Patrick Pulsinger, Pamelia Kurstin, Hilary Jeffery & Rozemarie Heggen: Besides Feldman] | Morton Feldman: Rothko Chapel #2; #3; #5 [UC Berkeley Chamber Chorus, Philip Brett, Director / David Abel, Viola |/ Karen Rosenak, Celeste / William Winant, Percussion] Soundtrack englische Version: Mika Vainio + Franck Vigroux: Brume; Luceat Lux; Man; Souffles [Mika Vainio + Franck Vigoux: Ignis; Peau froide, léger soleil] Mika Vainio, Kesäyön Haltijat; Otava; Takaisin; Metsän Sydän; Syvänteessä Pukinjalkaisen [Mika Vainio: Konstellaatio]

Mit: Zoé Alibert, Tamar Grosz, Friederike Heine, Julia B. Laperrière, Sonia Noya, Laura Siegmund

Constellations and Elements

I. 4-channel-video-installation with 6 looped sequences on four projection screens

Partition | 9 Min

Space choreography, filmed 2014 at Haus der Berliner Festspiele from 18 m height. Soundtrack: Mika Vainio, Talvipäiva, Vanha Motelli [Mika Vainio, Konstellaatio]

With: Claudia Albrecht, Charlotte Saphire Alten, Christos Anastasopoulos, Betty Athanasiadou, Ioannis Avakoumidis, Wendeline Blazejewski, Christine Börsch-Supan, Charlotte Engelbert, Alexander Fend, Katharina Försch, Serena Gregorio, Nelly Hakkarainen, Eckhard Ischebeck, Ljudmila Kartoshkina, Olivia-Patrizia Kunze, Molly McDowell, Irene Pascual, Johanna Pollet, Juliette Rahon, Nadja Saleh, Gabi Schwab, Annika Stadler, Andreas Uehlein, Verena Wilhelm, Alexandra Zoe, Marie S. Zwinzscher

Narkosis | 5:55 Min

Space Choreography, filmed 2017 at Uferstudios Berlin; sound added 2018: excerpts from Under the Skull (2016), performed by Katharina Meves and Frank Willens, translated by Anna Galt

With: Zoé Alibert, Irene Anglada Espadaler, Claire Bathgate-Petersen, Christine Börsch-Supan, João Cidade, Juan Corres Benito, Xenia Dwertmann, Philipp Enders, Charlie Fouchier, Maria Gorbunova, Katherine Gorsuch, Vanessa Gorsuch, Junko Iwahashi, Carolin Kipka, Valérie Kommer, Leyton Lachman, Nicole Michalla, Alba de Miguel, Susi Rosenbohm, Sylvana Seddig, Sami Similä, Young-Won Song, Maria Torrents, Sinja Völl, TingAn Ying, Flavia Zaganelli, Marie Zechiel

White Space | 5:21 Min

Space choreography, filmed 2017 in an installation set-up at Kunstfabrik am Flutgraben, Berlin, Sound added 2018, Nothing except myself (2016), performed by Katharina Meves and Frank Willens, translated by Anna Galt

With: Charlie Fouchier

Koroška | 5:29 Min

Chorography (Exploration of a landscape by means of one’s own body), filmed 2017 in Hohe Tauern and Kreuzeckgruppe, Kärnten, Austria; sound added 2018: excerpts from I Set Off in the Morning (2017), performed by Katharina Meves and Frank Willens, translated by Anna Galt

With: Christine Börsch-Supan

Lightning | 9:00 Min

filmed 2018 in Obervellach, Austria

Reigenkees | 6:29 Min

Osmography (Description of a landscape by movement of one’s own body and the attached camera), filmed 2018 in Hohe Tauern and Kreuzeckgruppe, Kärnten, Austria; sound: excerpts from Half Natures (2018), performed by Katharina Meves and Frank Willens, translated by Anna Galt

Chiaroscuro I + II | 2:18 Min

Filmed 2017 at Uferstudios, Berlin. Soundtrack: Morton Feldman, Rothko Chapel #2 [UC Berkeley Chamber Chorus, Philip Brett, Director / David Abel, Viola / Karen Rosenak, Celeste / William Winant, Percussion]

With: Charlie Fouchier / Juan Corres Benito, Philipp Enders, Katherine Gorsuch, Vanessa Gorsuch, Valérie Kommer, Leyton Lachman, Susi Rosenbohm, Sylvana Seddig, Young-Won Song, Flavia Zaganelli, Marie Zechiel

II. Moving Sculptures

Round Dance

Wood framed hexagon, filled with rolled lawn; on it a score is performed, progressing from grounding to spinning. (2018)

With: Zoé Alibert, Tamar Grosz, Friederike Heine, Julia B. Laperrière, Sonia Noya, Laura Siegmund

Origin

6 trampolines of various sizes, 24 neon tubes, each trampoline one performer; score focused on in/out of sync and falling. (2018)

With: Zoé Alibert, Tamar Grosz, Friederike Heine, Julia B. Laperrière, Sonia Noya, Laura Siegmund

III. Portraits and Landscapes

Space Walkers

Multi-channel-video-installation; Videos, each 25 minutes, looping, installed in a circle of 6 TV screens and 6 Canvas Chairs on a platform (2018)

The movements in the videos are chorographies in the sense the word had before it was replaced by geography: It named the exploration of a landscape by the relational measures of one’s body (as opposed to surveying by the use of standardized measurement). The 6 performers are walking the relations between each other and to the different soils. The Videos were shot in summer 2018 at Bergheider See, Niederlausitz, in the former coal district now turned into Europe’s biggest re-naturalization project. The lake is a former coal hole, flooded from 2001 to 2014. On the northern shore there is F60, a shut down overburden removing bridge. The other shores are a nature reserve.

With: Zoé Alibert, Tamar Grosz, Friederike Heine, Julia B. Laperrière, Sonia Noya, Laura Siegmund

Drive

6 Videos, 6 Headphones, 2 Voices, German Text: 43 Min, English Text: 57 Min. Videos Videos shot 2018 at Kunstfabrik at Flutgraben, Berlin; Text Drive (2018) performed by Katharina Meves (DE) and Sergiu Matis (EN), translated by Anna Galt.

Soundtrack german version: Olivier Messiaen, Livre d’orgue: 4. Chants d’oiseaux; Messe de la Pentecôte: 4. Communion (Les oiseaux et les sources) [Olivier Latry, Messiaen: Organ Works] | Patrick Pulsinger, Pamelia Kurstin, Hilary Jeffery & Rozemarie Heggen: Metaphysical Space; Being In-Between; Timeless Floating Machine; Repeat Same Chord in Different Ways [Patrick Pulsinger, Pamelia Kurstin, Hilary Jeffery & Rozemarie Heggen: Besides Feldman] | Morton Feldman: Rothko Chapel #2; #3; #5 [UC Berkeley Chamber Chorus, Philip Brett, Director / David Abel, Viola |/ Karen Rosenak, Celeste / William Winant, Percussion] Soundtrack english version: Mika Vainio + Franck Vigroux: Brume; Luceat Lux; Man; Souffles [Mika Vainio + Franck Vigoux: Ignis; Peau froide, léger soleil] Mika Vainio, Kesäyön Haltijat; Otava; Takaisin; Metsän Sydän; Syvänteessä Pukinjalkaisen [Mika Vainio: Konstellaatio]

With: Zoé Alibert, Tamar Grosz, Friederike Heine, Julia B. Laperrière, Sonia Noya, Laura Siegmund
Blog | Posts
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Sechste Notiz zu Choros VI: Polymorphie der Zeit, Poetik der Relationen

Choros VI ist ein Raum mit verschiedenen Zeitlichkeiten und Dauern. 1 Im Raum sind lebende Körper, performende und zuschauende, sie teilen eine Zeit des Aufenthalts, des zusammen-im-Raum-Seins; sie bringen in bestimmten Momenten diese Zeitlichkeit hervor, öffnen sich für eine Präsenz, die Intensität einer Gegenwartserfahrung, die eine körperliche des Affiziertwerdens durch andere Körper ist. Damit ist in Choros VI kein faktisches Angreifen gemeint, kein direkter physischer Hautkontakt, sondern das Gefühl von Nähe, Abstand, Bezug, das explizit durch Blicke, unterschwelliger durch Gehör, taktile, kinästhetische und propriorezeptive Wahrnehmung erfahren wird. Ausgelöst wird diese Zeitlichkeit eines zusammen-Daseins, ihre Intensivierung, sodass sie tatsächlich affiziert, zu einem Gefühl wird, durch die Weiterlesen | Read More

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Fünfte Notiz zu Choros VI: Die Texte

Es gibt Lyrik und Prosa in Choros VI. Die Texte sind gesprochen, man hört sie in Kopfhörern und sie befinden sich immer in der Nähe von Videobildern. Sie sind zugeordnet, die Lyrik vertont Videos, die von kosmischen Perspektiven über Gemeinschaft und Individuum in die Landschaft führen. Die Prosa ist bei Videos der Gesichter der Tänzerinnen in Großaufnahme. Alle Texte werden von einer männlichen (Frank Willens oder Sergiu Matis) und einer weiblichen Stimme (Katharina Meves) gesprochen, alle sind im Original deutsch und von Anna Galt ins Englische übersetzt. Mythos Ein langer Text, geschrieben in der dritten Person Plural, im Präsens. Er führt von den Bewegungen der Weiterlesen | Read More

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Vierte Notiz zu Choros VI: Die Bewegungsbilder

Sich im Bild verlieren wie in der Natur, sich in es hineinfallen lassen, sich in dessen Tiefen wie im Kosmos verlieren, wo es auch weder ein oben noch ein unten gibt. (Andrej Tarkovskij) In Choros VI gibt es drei Arten von Videobildern: Landschaften, Kosmos-Perspektiven, Porträts. Landschaften Die Landschaft taucht zuerst im Bild auf. In den Bildern von Choros III (Koroška), in den Bergen. Entstanden 2017 sind sie die ersten Beschäftigungen mit Körper und Bewegung im offenen Raum. Und in den Space Walkers, den Bildern vom Bergheider See in der Lausitz im Süden Brandenburgs. Die Landschaft um den Bergheider See ist künstliche Natur. Der See ist Weiterlesen | Read More

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Dritte Notiz zu Choros VI: Tanz und Ekstase

Friederike, Laura, Julia, Sonia, Tamar, Zoé. Sechs Tänzerinnen bewegen sich in Choros VI auf drei verschiedenen Böden: Gras, Sprungtuch und Sand. Jeder Boden bringt eine andere und eigene Choreographie hervor. Gras und Trampoline sind live im Raum, der Sand ist in den sechs Videos, aufgenommen am Bergheider See im Süden Brandenburgs. Die Bewegungen in Choros VI sind elementar. Sie verkörpern die basalen Anziehungskräfte: Schwerkraft und Gruppenenergie. Das alte griechische Wort »choros« meint den kreisförmigen Tanzplatz, den Rundtanz und die Tanzenden, die Zusammengehörigkeit von Raum, Choreographie und Körper. Tanz ist Bewegung des Raums, Raum ist Bewegung der Körper. Umgebung und Bewegung gehören zusammen. Die Körper der Weiterlesen | Read More

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Zweite Notiz zu Choros VI: Chorische Landschaft

Choros VI ist eine Landschaft, eine chorische Landschaft. »Chorisch« meint den Zusammenklang und Kreislauf verschiedener Elemente, »Landschaft« das Verhältnis von Betrachter*in und Raum, von Bewegung und Umgebung; in »chorisch« kommen archaische und künftige Fragen nach Gemeinschaft, in »Landschaft« Kunstgeschichte und Beziehung zur Natur zusammen. 1. Landschaft Choros VI ist der bisher deutlichste Versuch, eine Landschaft zu machen. Arbeiten davor brachten als »Raumchoreographien« und »choreographische Installationen« Bewegung und Räumlichkeit zusammen. Die Landschaft geht über diese Gattungsbestimmungen hinaus und führt noch woandershin, in die Gegend von Kunst und Natur. 1.1 Kunstgeschichte Landschaft ist ein Begriff und eine Sache der Kunst. Die Landschaftsmalerei (Leonardo da Vinci, Albrecht Dürer) Weiterlesen | Read More

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Erste Notiz zu Choros VI: Aufenthaltsraum

Choros VI ist ein Raum. Als Besucher*in begehe ich ihn. Ich komme hinein, ich sehe mich um, ich höre. Es gibt viele Plätze – eine Grasfläche, Trampoline, Stühle, ein Turm, ein halboffenes kreisrundes Kino – und Eingänge: Videobilder, Kopfhörer mit gesprochenen Texten, Körper, die sich bewegen. Alles ist ist gleich gut geeignet, einen Anfang zu machen. Ich gehe umher, bleibe stehen, setze mich hin, lege mich hin, stehe auf und gehe weiter. Ich bewege mich durch den Raum, ich halte mich auf. Ich höre, sehe, nehme die Gleichzeitigkeit von Bildern, Texten, Körpern wahr. Die Sinne öffnen sich für Bezüge. Ich höre einer Stimme zu, während Weiterlesen | Read More

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Idee, Raum, Video, Text | Idea, Space, Video, Text Stimmen | Voices Outside Eye Produktion | Production
Moritz Majce + Sandra Man Sergiu Matis, Katharina Meves, Frank Willens Gabrielle Cram Katharina Wallisch
Performance Installationsbau | Installation Building Licht | Light

Zoé Alibert, Tamar Grosz, Friederike Heine, Julia B. Laperrière, Sonia Noya, Laura Siegmund

Robert Grap, Olli Opitz

Andreas Harder, Martin Pilz

Eine Produktion von Moritz Majce + Sandra Man, in Kooperation mit WUK performing arts, gefördert von Berliner Senat für Kultur und Europa, Wien Kultur, Land Kärnten Kultur.

Mit freundlicher Unterstützung von District Berlin und Tanzfabrik Berlin.

Vermittlungsprogramm mit freundlicher Unterstützung von mapping dance berlin – ein Projekt des Tanzbüro Berlin.

Dank an Joris Camelin für seinen inspirierenden Workshop zu Voicing und Spatial Somatics.

Englische Übersetzung: Anna Galt

Stimmaufnahme: Fernand Kenzler
Choros
Choros VI was shown from 23.–20.11.2018 at District, Berlin.